Nierenkrebs

Medizinischer Name
Nierenzellkarzinom

Definition
Die häufigste Form von Nierenkrebs ist das Nierenzellkarzinom, das im Nierengewebe seinen Ausgang nimmt. Oftmals wird es zufällig im Rahmen einer Gesundenuntersuchung mittels Nierenultraschall entdeckt. Blut im Harn ist ein häufiges Erst-Symptom und sollte umgehend einen Nierenultraschall nach sich ziehen. Wenn der Tumor auf die Niere beschränkt und noch kleiner als 7 cm ist, sind die Heilungschancen mit Operation des Tumors ausgezeichnet. Das Nierenzellkarzinom kann über den Blut- und Lymphweg Tumorzellen in den Körper streuen, diese bilden dann Tochtergeschwülste in anderen Organen (Lunge, Leber, Knochen, Lymphknoten…).

Häufigkeit, Verlauf
In Österreich liegt die Inzidenz bei 1200 Neuerkrankungen pro Jahr, das sind ca. 8 Patienten pro 100 000 Einwohner. Die Erkrankung tritt zumeist um das 65. Lebensjahr auf. Männer sind häufiger betroffen als Frauen. Bei 30 % der Patienten, die wegen eines Nierenzellkarzinoms operiert wurden, entwickeln sich trotz Operation des Nierentumors im weiteren Verlauf Tochtergeschwülste (Metastasen) an anderen Organen. Dies kann auch nach zehn Jahren noch der Fall sein. 30 % der Patienten haben bereits zum Zeitpunkt der Diagnose eines Nierentumors Tochtergeschwülste, weswegen alle Organe mittels Computertomographie genau untersucht werden müssen.

Mögliche Ursachen und Risikofaktoren
Bei der häufigsten Form von Nierenkrebs (85%), dem „klarzelligen Nierenkrebs, entsteht die Erkrankung häufig auf Basis eines Gen-Defektes (Von Hippel Lindau
Gen). Dieser wird im Laufe des Lebens erworben; in selteneren Fällen ist der Gendefekt vererbt. Rauchen,hochkalorische Ernährung und Übergewicht stellen Risikofaktoren dar. Die besteVorsorge ist demnach ein gesunder Lebensstil. Dazu gehört interessanterweise auchein moderater Alkoholkonsum: dieser soll einigen Metaanalysen zu Folge das Risiko,ein Nierenzellkarzinom zu entwickeln, reduzieren.

Früherkennung und Symptome
Zur Früherkennung wäre ein Nierenultraschall (einmal jährlich) ideal. Diese Untersuchung stellt keine Strahlenbelastung dar und ist auch nicht kostenintensiv. Eine allgemeine Empfehlung im Rahmen der Gesundenuntersuchung gibt es hierfür nicht, was aber vor allem daran liegt, dass das Nierenzellkarzinom nicht so häufig vorkommt wie zum Beispiel Brustkrebs oder Lungenkrebs. Wenn der Tumor noch klein ist, macht er in der Regel keinerlei Symptome oder eventuell nur Spuren von Blut im Harn. Erst ab einer gewissen Größe können z.B. Flankenschmerzen, Müdigkeit durch Blutarmut, Schwäche und Gewichtsverlust hinzukommen. Bei manchen Patienten macht sich der Nierentumor erst durch Beschwerden von Seiten der Tochtergeschwülste bemerkbar. So können beispielsweise Knochenschmerzen ein Symptom für Knochenmetastasen sein.

Diagnose
Die Diagnose wird in der Regel über einen Nierenultraschall gestellt, im Anschluss ist eine Computertomographie der Niere erforderlich, um die genaue Ausdehnung und den Bezug zu den benachbarten Strukturen (Blutgefäße, Lymphknoten) zu erkennen. Eine Gewebsprobe wird in der Regel nicht gemacht, zumeist wird der Tumor sofort operiert und die Gewebsprobe aus dem operativ entfernten Tumor durchgeführt. Einen typischen „Tumormarker“ aus dem Blut gibt es für Nierenkrebs nicht, selbst die Nierenwerte sind oftmals völlig normal. Bei fortgeschrittenen Stadien können manchmal erhöhte Entzündungswerte im Blut („CRP“) einen indirekten Hinweis liefern.

Behandlungsmöglichkeiten
Operation:
Unabhängig vom Tumorstadium ist bei akzeptablem Allgemeinzustand die Operation des Tumors der erste und wichtigste therapeutische Schritt. Dies gilt auch dann, wenn bereits Tochtergeschwülste in anderen Organen vorliegen. Der Urologe trifft die Entscheidung, ob die Niere zur Gänze entfernt wird oder nur der Tumor aus der Niere herausoperiert wird. Bei kleinen Tumoren kann die Niere oftmals belassen werden. Auch über die Art der Operation (z.B. Flankenschnitt oder nur Knopflochtechnik) entscheidet der Operateur. Tochtergeschwülste werden in Ausnahmefällen ebenfalls operiert, vor allem wenn es nur sehr wenige sind (zum Beispiel 3 Herde auf einem Lungenflügel) und wenn die Zeit zwischen Auftreten des Nierentumors und Auftreten der Tochtergeschwülste mehr als ein Jahr (noch besser mehrere Jahre) beträgt.

Medikamentöse Therapie:In den meisten Fällen wird bei Vorliegen von Tochtergeschwülsten eine medikamentöse Therapie angeboten. Diese kann den Tumor zwar nur selten zum völligen Verschwinden bringen, aber ein Zurückdrängen der Erkrankung oder ein Verhindern des Weiterwachsen über mitunter viele Jahre ist möglich. Moderne Medikamente haben hier in den letzten Jahren für einen enormen Fortschritt gesorgt (Neue Medikamente: Sutent®, Avastin®, Nexavar®, Torisel®, Afinitor®, Pazopanib®, Axitinib®: Inlyta®…). Alle Therapien sind ambulant durchführbar und führen in der Regel nicht zu Haarausfall. Nebenwirkungen sind dennoch wahrscheinlich, hier zum Beispiel vorübergehende Veränderungen der Haut an Handflächen und Fußsohlen, Geschmackstörungen, Schilddrüsenunterfunktionen, Durchfall, Bluthochdruck usw.

Je mehr Erfahrung der behandelnde Arzt im Umgang mit diesen Medikamenten hat, desto besser lassen sich Nebenwirkungen frühzeitig erkennen und in ihrer Intensität durch vorbeugende Maßnahmen abschwächen. Beim Verschreiben solcher Medikamente erhalten Sie eine genaue Information über den Wirkmechanismus und die zu erwartenden Nebenwirkungen. Zu Beginn der Therapie sind engmaschige ambulante Kontrollen erforderlich, um etwaige Nebenwirkungen vorzeitig zu erkennen und in ihrer Intensität abzuschwächen.

Weiterführende Informationen

1. Links:

2. Artikel:

  • Spektrum Onkologie: Focus Nierenzellkarzinom, März 2011
  • Plethora of agents, plethora of targets, plethora of side effects in metastatic renal cell carcinoma. Manuela Schmidinger, Joaquim Bellmunt, Cancer Treatment Reviews 2010

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