HNO-Tumore

Medizinischer Name
Larynx- (Kehlkopf), Nasopharynx- (Rachendach), Oropharynx- (mittlerer Rachen), Hypopharynx- (unterer Rachen), Tonsillenkarzinom (Rachenmandel),

Definition
Bösartiger Tumor, welcher von der Schleimhaut im HNO-Trakt (Kehlkopf, Rachen, Mundhöhlen, Zunge, Gaumen, Nasennebenhöhle, Nasenhöhlen, Rachenmandel, etc.) ausgeht.

Häufigkeit
Die HNO-Tumoren zählen zu den seltenen Tumorerkrankungen. Etwa 8/100.000 Personen erkranken jährlich, wobei die Verteilung zwischen Frauen und Männern 1:5 beträgt. Der Altersgipfel liegt beim 6. Lebensjahrzehnt.

Mögliche Krankheitsursachen
Die häufigsten Risikofaktoren sind Tabak- und übermäßiger Alkoholkonsum (v.a. hochprozentige Alkoholika), sowie andere bösartige Tumoren im HNO-Trakt, der Lunge oder Speiseröhre. Zunehmend spielt auch das humane Papillomavirus (HPV) eine wichtige Rolle in der Entstehung von v.a. Rachenmandelkrebs.

Symptome
Klassische Symptome sind Schluckstörungen und Schmerzen während des Schluckaktes oder Heiserkeit. Andere Symptome wie vergrößerte Halslymphkoten, Gewichtsverlust, Müdigkeit, Husten und Atemnot, sowie Fieber weisen bereits auf einen ausgedehnten Krankheitsbefall hin. Bei Tumoren des Rachendaches bestehen häufig eine behinderte Nasenatmung und nasale Stimme und Nasenbluten.

Diagnostik
In jedem Fall muss eine HNO-Untersuchung erfolgen inklusive Spiegelung des Kehlkopfes und des Rachens. In vielen Fällen kann durch eine sorgfältige Untersuchung die Ursache der Symptome abgeklärt werden.

Bei Schluckstörungen:
Kontrastmittelröntgen (Schluckaktröntgen) der oberen Speisewege

Zur Diagnosesicherung:
Panendoskopie (Spiegelung = Endoskopie des HNO-Traktes inklusive Kehlkopf, Luftröhre, Rachen, Speiseröhre in Vollnarkose)

Zur Erfassung des Tumorstadiums/der Krankheitsausdehnung:

  • Sonographie der Halsorgane
  • Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT) des Kopfes und der Halsorgane
  • Lungenröntgen (evtl. CT des Thorax)
  • Sonographie der Leber PET-CT oder PET-MRT (Positronen-Emissions-Tomographie mit CT oder MRT)

Behandlungsmöglichkeiten

Therapieentscheidung im Tumorboard: Eine optimale Behandlung von Patienten mit Tumoren in der Kopf-Halsregion erfordert eine enge Zusammenarbeit von Chirurgen (HNO- oder Kieferchirurgen) mit Strahlentherapeuten (=Radioonkologen) und internistischen Onkologen.

Operation oder Strahlentherapie?
Im Mittelpunkt jedes Behandlungskonzeptes stehen die lokalen Therapieverfahren, dass heißt Operation und/oder Strahlentherapie. Für kleine Karzinome liegen die Heilungschancen bei 90%, wobei hier überwiegend die operative Sanierung empfohlen wird. Alternativ kann hier eine Strahlentherapie (konventionelle Strahlentherapie über 7 Wochen) mit ähnlich guten Heilungschancen angewandt werden. Bei Vorliegen von größeren aber noch eindeutig operablen Tumoren stellt die Operation und eine nachfolgende Strahlentherapie (evtl. in Kombination mit Chemotherapie) die Standardtherapie dar. Da radikale Operationen im Gesichtsbereich häufig mit funktionellen und kosmetischen Einbußen einhergehen, wurde in den vergangenen Jahrzehnten intensiv nach funktionserhaltenden Verfahren gesucht wurde. Zu diesen zählen die sogenannte Laserresektion (chirurgisches Verfahren, bei dem ein CO2-Laser zum Einsatz gelangt), verbesserte Strahlentherapiekonzepte und die Kombination von Chemotherapie und Strahlentherapie.

Gibt es eine Alternative zur Kehlkopfentfernung?
Wenn der Tumor im Kehlkopf oder im Schlund bereits sehr ausgedehnt ist, muss in vielen Fällen der Kehlkopf entfernt werden. Alternativ dazu besteht die Möglichkeit einer Chemotherapie (über 3 Monate) mit anschließender Strahlenchemotherapie. Bei etwa 60-70 % der Patienten kann dadurch die Entfernung des Kehlkopfes vermieden werden. Dieses Behandlungskonzept erfordert jedoch eine sorgfältige Beurteilung der Tumorgröße vor und nach der Chemotherapie und wenn der Tumor nicht zumindest auf die Hälfte seiner ursprünglichen Größe zurückgeht, muss die Entfernung des Kehlkopfes dringend empfohlen werden.

Wie werden Patienten mit nicht-operablen Tumoren behandelt?
Die Kombination von Chemotherapie mit intensivierter Strahlentherapie stellt für die Behandlung von nicht-operablen Tumoren die Standardtherapie dar. Eine im Jahr 2009 präsentierte Studie zeigte erstmals, dass möglicherweise eine 3-monatige Chemotherapie gefolgt von Strahlenchemotherapie einer sofortigen Strahlenchemotherapie überlegenen sein könnte. In jedem Fall sollte man sich vor Therapiebeginn über das geplante Behandlungskonzept erkundigen und Aufklärung über die möglichen Einbußen nach der Behandlung einfordern bzw. sich über die therapeutische Alternativen informieren. Im Zweifelsfall besteht immer genügend Zeit um sich eine zweite Meinung einholen zu können. Viel versprechend waren die Ergebnisse einer kürzlich veröffentlichten Studie mit dem Antikörper Cetuximab parallel zu einer Strahlentherapie: Durch die Gabe des Antikörpers konnten die Effektivität (Ansprechrate, Lebensverlängerung) der Strahlentherapie beträchtlich verbessert werden, ohne jedoch die strahlentherapie-bedingte Nebenwirkungen zu verstärken. Im Rahmen laufender Studien wird die Kombination des Antikörpers mit Chemotherapie parallel zur Strahlentherapie untersucht.

Welche Therapiemöglichkeiten bestehen bei Versagen der ersten Behandlung?
Trotz optimaler Therapie kann es zu einem Krankheitsrückfall (= Rezidiv) kommen, wobei hier überwiegend wieder Tumoren im HNO-Bereich oder der Halslymphknoten auftreten können und nur selten eine Streuung über den Blutweg (Metastasen in Lunge, Leber, Knochen) zu beobachten ist. Je nach Sitz des neuerlichen Tumors stehen verschiedene Therapiemöglichkeiten zur Verfügung. Prinzipiell kann ein lokalisierter Tumor in einigen Fällen neuerlich operativ entfernt werden. Auch eine neuerliche Strahlentherapie kann zu Einsatz kommen. Wenn jedoch sowohl Operation als auch Strahlentherapie als möglich Option ausscheiden, dann wird weltweit die Durchführung einer Chemotherapie empfohlen. Die am häufigsten verwendeten Chemotherapeutika sind Cisplatin, 5- Fluorouracil, Methotrexat sowie die Taxane (Docetaxel und Paclitaxel). Der Antikörper Cetuximab ist seit Ende 2008 für die Behandlung von metastasierten oder rezidivierten HNO-Tumoren (in Kombination mit Chemotherapie) zugelassen und seither gilt diese Kombination als Standardtherapie. Im Rahmen von Studien konnte auch gezeigt werden, dass der Antikörper bei Versagen der Chemotherapie entweder alleine oder in Kombination mit dem Chemotherapeutikum Cisplatin eine effektive Therapiemöglichkeit darstellt.

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