Darmkrebs

Medizinischer Name
Kolonkarzinom (Dickdarm), Rektumkarzinom (Mastdarm), Kolorektalkarzinom (Überbegriff)

Definition
Es handelt sich um einen der weltweit am häufigsten auftretenden bösartigen Tumoren, dessen Ausgangspunkt die Dickdarmschleimhaut darstellt. Man unterscheidet den Mastdarm (bis zu 15 cm ab dem After) vom Dickdarm (zwischen Dünndarm und Mastdarm).

Häufigkeit
Die Gesamtzahl der jährlichen Neuerkrankungen an Dickdarmkarzinom beträgt weltweit 810.000. Dies entspricht 9 % aller Krebserkrankungen. Das Lebenszeitrisiko an einem Dickdarmkarzinom zu erkranken beträgt 5-6 % und an einem solchen Tumor zu sterben 2.5-3%. Das Erkrankungsrisiko steigt signifikant ab dem 45. Lebensjahr; 70 % aller Fälle werden im Alter zwischen 50 und 80 Jahren diagnostiziert. Frauen und Männer sind davon gleichermaßen betroffen.

Mögliche Krankheitsursachen
Rund 10 % aller Dickdarmkarzinome entstehen auf Basis einer genetischen Prädisposition, während 90 % aller Tumoren sporadisch (d.h. ohne genetische Veranlagung) auftreten. Letztere entstehen nicht in der gesunden Dickdarmschleimhaut sondern meist über einen Zeitraum von mehreren Jahren über Dickdarmpolypen (Adenom-Karzinom-Sequenz), wobei folgenden Faktoren als prädisponierend (wegbereitend) erachtet werden:

  • Lebensalter ab 50 Jahren
  • Ungesunde Ernährung (fettreiche, ballaststoffarme Kost, wenig Obst und Gemüse)
  • Bewegungsmangel
  • Übergewicht
  • Rauchen und übermäßiger Alkoholkonsum
  • Dickdarmpolypen, wobei das tatsächliche Krebsrisiko jedoch wesentlich von der Größe und Art/Wuchsform des Polypen abhängt.
  • Familiäre Belastung (etwa 3-fach erhöhtes Risiko bei Dickdarmkrebserkrankung eines Verwandten 1.Grades)
  • Langfristig bestehende chronisch entzündliche Darmerkrankungen (Colitis ulcerosa bzw. Morbus Crohn)
  • Typ 2-Diabetes (Blutzuckererkrankung); vermutlich bedingt durch die wachstumsfördernde Wirkung des Insulins, besteht in Relation zur Normalbevölkerung ein dreifach erhöhtes Risiko für Darmkrebs
  • Zustand nach Dickdarmkrebsoperation
  • Genetische Prädisposition (seltene erbliche Syndrome, die ein extrem hohes Erkrankungsrisiko implizieren: z.B. familiäre adenomatöse Polypose, Lynch-Syndrom).

Symptome
Dickdarmkarzinome bestehen meist sehr lange ohne jegliche Beschwerden zu verursachen. Zu den meist uncharakteristischen Frühsymptomen zählen:

  • Länger anhaltende Stuhlunregelmäßigkeiten (Verstopfung und/oder Durchfall)
  • Blutbeimengungen im Stuhl
  • Bauchschmerzen Müdigkeit/Abgeschlagenheit (infolge Blutarmut durch chronische Darmblutungen).

Diagnostik
Kolonoskopie (Darmspiegelung) mit Entnahme einer Gewebeprobe. Eine virtuelle Darmspiegelung (CT-Colographie) oder Kontrastmittel-Einlauf (Irrigoskopie) bieten sich alternativ nur dann an, wenn eine vollständige Kolonoskopie nicht möglich ist.

Zur Erfassung des Tumorstadiums/Ausschluss von Metastasen:

  • Computertomographie (CT) von Lunge und Bauch/Beckenorganen

Spezielle Untersuchungen im Einzelfall:

  • Endosonographie (Darmspiegelung mit einer Ultraschallsonde bei Mastdarmkrebs)
  • Magnetresonanztomographie (MRT) des Beckens bei Mastdarmkreb)
  • Positronenemissionstomographie (PET) vor Metastasenchirurgie
  • Intraoperativer Leberultraschall um etwaige – mittels konventionell bildgebender Verfahren nicht sichtbare – Lebermetastasen lokalisieren zu können.

Behandlungsmöglichkeiten
War der Tumor bei Diagnosestellung klein und wurde in einem frühen Stadium erkannt, reicht bei vielen Patienten oft eine Operation aus, um eine Heilung zu erzielen. Größere Tumoren lassen sich unter Umständen vor der Operation durch eine Chemotherapie verkleinern, sodass der Eingriff weniger umfangreich gestaltet werden kann. Insbesondere bei Patienten mit Mastdarmkrebs wird – abhängig vom Tumorstadium- mit einer Bestrahlung oder einer Kombination aus Chemo- und Strahlentherapie eine Tumorverkleinerung angestrebt um so auch zu versuchen, den Schließmuskel zu erhalten. Diese vorgeschaltete Behandlung bezeichnet man als “neoadjuvant”. Besteht trotz Operation ein hohes Rückfallrisiko, ist es sinnvoll, den chirurgischen Behandlungserfolg durch eine “adjuvante” Nachbehandlung zu festigen: Auch dafür eignen sich Chemotherapie, Strahlentherapie oder eine Kombination aus beiden. Die Gesamtdauer einer adjuvante Chemotherapie beträgt 6 Monate, wobei die Chemotherapie entweder als Infusion (über eine Vene) oder in Tablettenform oder durch Kombination von Tabletten und Infusionen gegeben werden kann.

Wenn eine Dickdarmkrebserkrankung trotz Operation wieder auftritt oder sich schon bei Erstdiagnosestellung Metastasen im Bauchraum oder in anderen Organen zeigen, bedarf es primär einer Chemotherapie. Für Patienten mit fortgeschrittener Erkrankung spielen heute neue Medikamente eine zunehmende Rolle, die gezielt den Stoffwechsel von Tumorzellen beeinflussen. Sie ergänzen die verschiedenen Möglichkeiten, mit einer Chemotherapie das Tumorwachstum aufzuhalten. Einzelne Metastasen lassen sich nach vorgeschaltener internistisch-onkologischer Behandlung unter Umständen herausoperieren.

Innovative experimentelle Therapieverfahren werden in klinischen Studien erprobt, zum Beispiel neue Arzneimittel oder neue Kombinationen bereits bekannter Medikamente bzw. Methoden: Sie eröffnen Patienten unter Umständen bessere Erfolgschancen, auch wenn sich zu neuen Medikamenten und Verfahren in diesem Stadium noch nicht alle Fragen beantworten lassen.

Chemotherapie (=Zytostatika), die bei Dickdarmkrebs verwendet werden:

Infusionen:

  • 5-Fluorouracil (kurz: 5-FU)
  • Oxaliplatin
  • Irinotecan

Tabletten:

  • Capecitabine
  • Tegafur und Uracil

Antikörper (Infusionen):

  • Bevacizumab
  • Cetuximab
  • Panitumumab

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