Brustkrebs

Medizinischer Name
Mammakarzinom

Definition
Brustkrebs ist heute der häufigste bösartige Tumor bei Frauen weltweit, kann jedoch in sehr seltenen Fällen auch bei Männern auftreten. Ausgangspunkt der Erkrankung sind meist die Zellen der Milchgänge.

Häufigkeit
Der Altersgipfel der Erkrankung liegt jenseits des 60. Lebensjahres, weshalb das Brustkrebsrisiko mit dem Alter ansteigt. So liegt das Risiko einer 20jährigen innerhalb der nächsten zehn Jahre an Brustkrebs zu erkranken bei 0,05%, und steigt mit 70 Jahren auf 3,88% an. Das Lebenszeitrisiko wird mit etwa 12% angegeben, insgesamt erkranken in Österreich pro Jahr 80 bis 100 von 100.000 Frauen.

Mögliche Krankheitsursachen
Nur ein geringer Anteil der Brustkrebsfälle entsteht auf der Basis vererbter genetischer Veränderungen, die meisten Fälle treten sporadisch, also ohne nachweisbare Veränderungen auf. Mutationen in den Brustkrebsgenen BRCA-1 und BRCA-2 stellen zweifelsohne die bekanntesten erblichen Formen dar, und sind mit einem hohen Risiko für Brustkrebs schon in jungen Jahren verbunden. Zu den wichtigsten Risikofaktoren neben BRCA Mutationen zählen Brustkrebs bei erstgradigen Verwandten, Brustkrebs in der eigenen Krankengeschichte, 65+ Jahre, Zustand nach Strahlentherapie im Brustbereich, frühe Menarche (Auftreten der Regelblutung), späte Menopause (spätes Eintreten der Wechseljahre), Kinderlosigkeit und kein Stillen.

Symptome
Brustkrebs kann lange Zeit bestehen, ohne Symptome zu verursachen. Gleichzeitig existieren auch Formen, die rasch wachsen und frühzeitig Veränderungen der Brust verursachen. Heute wird Brustkrebs häufig im Rahmen einer Vorsorgeuntersuchung gefunden. Ist das nicht der Fall, wird ein – meist schmerzloser Knoten – in der Brust entdeckt, wobei ein erstmaliges Auftreten oder eine Größenzunahme eines vorbestehenden Herdes verdächtig sein kann. Nur an Hand des Tastbefundes ist eine Abgrenzung zu gutartigen Veränderungen jedoch kaum möglich. Gelegentlich werden auch Einziehungen der äußeren Haut, oder Veränderungen der Brustwarze beobachtet, auch eine Lymphknotenschwellung im Bereich der Achsel sowie Sekret aus der Brustwarze sollte zu einer weiterführenden Abklärung veranlassen.

Vorsorge
Oft kann eine Tumorerkrankung im Frühstadium gut behandelt und in den meisten Fällen geheilt werden. Daher kommt bei Krebs dem Thema Vorsorge und Früherkennung eine besondere Bedeutung zu. Zur Früherkennung von Brustkrebs werden unterschiedliche Maßnahmen empfohlen. Dazu gehören regelmäßigen Selbstuntersuchungen, frauenärztliche Kontrollen sowie das sogenannten Mammographie-Screening. Darunter versteht man Untersuchungen der weiblichen Brust mittels spezieller Röntgentechnik in Kombination mit Ultraschall. Diese Form der Vorsorge ist besonders wirksam dadadurch nachweislich die Sterblichkeit gesenkt werden konnte.

Derzeit gelten in Österreich die folgenden Empfehlungen zur Brustkrebs-Vorsorge:
Brustkrebs-Vorsorge-Empfehlungen

Diagnose
Unter Diagnose versteht man das Erkennen einer Erkrankung. Wie auch im Bereich der Vorsorge wird bei Verdacht auf Brustkrebs (etwa wenn ein auffälliger Tastbefund vorliegt) eine Mammographie in Verbindung mit einer Ultraschalluntersuchung durchgeführt. Dabei wird der Befund von zwei unabhängigen Röntgenärzten erstellt, um eine hohe Untersuchungsqualität sicherzustellen. Bei sehr dichtem Drüsengewebe (wie es oft bei jüngeren Frauen vorliegt) kann darüber hinaus eine Magnetresonanz-Untersuchung der Brust hilfreich sein. Das Ergebnis der Mammographie wird mit einer speziellen Einteilung, der sogenannten „BIRADS-Klassifikation“ beschrieben. Da dieser Begriff auch auf den schriftlichen Befunden aufscheint, soll er hier kurz erklärt werden. BIRADS 1 bedeutet einen Normalbefund, BIRADS 2 eine sicher gutartige Veränderung, BIRADS 3 wiederum sagt aus, dass eine Veränderung mit >90%er Sicherheit gutartig ist, wobei eine Kontrolle in 6 Monaten durchgeführt werden sollte. BIRADS 4 und 5 Befunde sind suspekt auf das Vorliegen von Brustkrebs und sollten umgehend durch eine Gewebeprobe weiter abgeklärt werden. Eine Gewebeprobe kann durch unterschiedliche Techniken gewonnen werden. Letztlich wird nach lokaler Betäubung mit Hilfe einer Nadel ein oder mehrere wenige Millimeter große Zylinder aus dem verdächtigen Brustgewebe entnommen und unter dem Mikroskop untersucht. Durch die Entnahme der Gewebeprobe kann das Vorliegen einer Brustkrebserkrankung bestätigt oder ausgeschlossen werden.

Behandlungsmöglichkeiten
Bei Patientinnen, bei denen der Brustkrebs auf die Brust beziehungsweise die Lymphknoten im Bereich der Achsel beschränkt ist, besteht die Behandlung auseiner Operation, einer Strahlentherapie und möglicherweise aus einer medikamentösen Nachbehandlung, die jedoch nicht bei allen Patientinnen erforderlich ist. Sie kommt nur dann zum Einsatz, wenn ein höheres Risiko für einen Rückfall besteht. Dabei kann eine antihormonelle Therapie – bei hormonabhängigem Brustkrebs – und/oder eine moderne Chemotherapie eingesetzt werden.

Die Operation ist der wichtigste Bestandteil der Behandlung von Brustkrebs im Frühstadium. Dabei gilt die brusterhaltende Operation als Standard. Bei dieser Operationstechnik wird nur der Tumor mit umliegendem Gewebe entfernt, zusätzlich wird im Rahmen der Operation der sogenannte Wächterlymphknoten entnommen. Nur wenn sich hier Tumorzellen nachweisen lassen, müssen auch heute noch die Achsellymphknoten entfernt werden. Durch diese Maßnahme kann das Risiko eines Lymphstaus – auch als Lymphödem bezeichnet – verringert werden. Bei ungünstigem Verhältnis zwischen Brust- und Tumorgröße und bei lokal fortgeschrittenen Tumoren kann die Durchführung einer brusterhaltende Operation unmöglich sein. In diesem Fall existieren zwei Möglichkeiten: Die Brust kann vollständig entfernt werden (hier besteht die Möglichkeit eines gleichzeitigen oder verzögerten kosmetischen Wiederaufbaus der Brust). Alternativ kann versucht werden, den Tumor durch eine präoperative Chemotherapie zu verkleinern, wodurch eine brusterhaltende Operation oftmals möglich wird. Nach einer brusterhaltenden Operation ist es wichtig, eine anschließende Bestrahlung der betroffenen Brust durchzuführen, da eine alleinige Operation mit einem zu hohen Risiko für einen Rückfall des Brustkrebs im verbleibenden Brustgewebe (Lokalrezidiv) verbunden wäre. Trotz optimaler lokaler Therapie besteht die Gefahr, dass sich bereits einzelne Tumorzellen aus dem ursprünglichen Herd gelöst haben, von denen nach Jahren ein Rückfall in anderen Organen – etwa Knochen, Leber, oder Lunge („Metastasen“) – ausgehen kann. Daher ist es wichtig, dass diese nicht direkt sichtbaren Krebszellen frühzeitig vernichtet werden. Dies geschieht durch eine medikamentöse Therapie. Bei hormonabhängigen Formen des Brustkrebses erfolgt eine antihormonelle Behandlung, dabei wird durch Hormonblockade den Tumorzellen der Wachstumsantrieb entzogen. Bei höherem Rückfallsrisiko wird entweder zusätzlich oder alternativ eine Chemotherapie empfohlen. Es ist an dieser Stelle wichtig zu erwähnen, dass eine solche Chemotherapie heute viel von ihrem einstigen Schrecken verloren hat und Übelkeit – wohl die bekannteste Nebenwirkung – dank moderner Begleitmedikamente nur noch in den seltensten Fällen ein Problem darstellt. Wenn bereits bei der Erstdiagnose Metastasen (also Absiedlungen in anderen Organen) vorliegen oder nach Jahren ein Rückfall auftritt, erfolgt meist eine medikamentöse Behandlung. Dadurch gelingt es im Allgemeinen, die Erkrankung bei guter Lebensqualität über viele Jahre zu stabilisieren.

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