Bauchspeicheldrüsenkrebs

Medizinischer Name
Pankreaskarzinom

Definition
Es handelt sich um einen zumeist sehr aggressiven Tumor, der vom Bauchspeicheldrüsengewebe ausgeht. Charakteristisch für das Pankreaskarzinom ist eine frühzeitige Ausbreitung in die Lymphdrüsen und benachbarten Strukturen (Gallenwege, Zwölffingerdarm und große Blutgefässe im Bauchraum) bzw. finden sich bei der Mehrzahl der Patienten zum Zeitpunkt der Erstdiagnose bereits Leber- und/oder andere Fernmetastasen.

Häufigkeit
Die Erkrankung nimmt in den westlichen Industrienationen an Häufigkeit zu und stellt dort bereits die fünfthäufigste tumorbedingte Todesursache dar. Jährlich sind in den USA etwa 27.000 und in Europa 50.000 Todesfälle zu verzeichnen. Das Risiko an einem Bauchspeicheldrüsenkrebs zu erkranken steigt ab dem 50.Lebensjahr, wobei der Häufigkeitsgipfel zwischen dem 65. und 80. Lebensjahr liegt. Männer scheinen etwas häufiger betroffen zu sein als Frauen: das Verhältnis liegt bei etwa 1,3:1.

Mögliche Krankheitsursachen

  • Nikotinabusus
  • Ernährungsfaktoren (hoher Fett- und Fleischkonsum, wenig Obst und Gemüse)
  • Blutzuckerkrankheit (Diabetes mellitus)
  • Chronische Entzündung der Bauchspeicheldrüse
  • Vorangegangene Magenoperation
  • Erbliche Faktoren
  • Berufliche Exposition gegenüber bestimmten Chemikalien (erhöhtes Risiko z.B. bei Minenarbeitern, Zementarbeitern, in der Textil- bzw. chemischen Industrie tätigen Personen, längerfristige Exposition gegenüber DDT und verwandten Substanzen)
  • möglicherweise kann ein übermäßiger Konsum von Softdrinks die Entstehung von Bauchspeicheldrüsenkrebs begünstigen.

Symptome

  • Gelbsucht (Ikterus) durch Einengung bzw. Verschluss der benachbarten Gallenwege
  • Bauchschmerzen (meist sehr ausgeprägt, gelegentlich in den Rücken ausstrahlend, Erleichterung beim Nachvornebeugen)
  • Gewichtsverlust (infolge Appetitlosigkeit, bzw. Beeinträchtigung der Verdauung)

Seltene Symptome

  • Blähungen
  • Übelkeit
  • Durchfall oder Stuhlverhaltung
  • Blutungen aus dem Magen-Darm-Trakt
  • Depressionen
  • Thrombosen (selten, bedingt durch eine “Übergerinnbarkeit” des Blutes)

Diagnostik

  • Ultraschall bzw. Computertomographie
  • Endosonographie (= Endoskop mit einer Ultraschallsonde an der Spitze)
  • Magnetresonanz-Cholangiopankreatographie (MRCP)
  • Endoskopisch retrograde Cholangiopankreatographie (ERCP)
  • Blutuntersuchungen: Tumormarker CA19-9

Behandlungsmöglichkeiten
Die Behandlung von Patienten mit Bauchspeicheldrüsenkrebs sollte ausschließlich in Zentren mit entsprechender Expertise durchgeführt werden. In Spezialzentren werden alle Patienten mit dieser Erkrankung in einem interdisziplinären Tumorboard diskutiert und ein Behandlungskonzept gemäß den internationalen Therapiestandards erstellt.

Zunächst muss die Krankheitsausdehnung exakt bestimmt werden (siehe Untersuchungsmöglichkeiten). Im Falle einer Operabilität (Tumor auf Bauchspeicheldrüse begrenzt; Blutgefäße nicht betroffen) steht am Beginn der Behandlung in der Regel eine radikale Entfernung des Tumors. Aufgrund der Nähe der Bauchspeicheldrüse zu großen Blutgefäßen des Bauchraumes, ist eine radikale Operation häufig nicht möglich. In dieser Situation kann durch eine kombinierte Chemo- und Strahlentherapie eine Verkleinerung des Tumors erzielt werden, sodass immer häufiger vor einer Operation (=neoadjuvant) eine Radiochemotherapie durchgeführt wird. Im Anschlss an einer Operation wird eine Chemotherapie (mit Gemcitabine) über 6 Monate empfohlen. Alternativ kann –bei Unverträglichkeit gegen Gemcitabine- die Kombination von 5-FU + Leukovorin gegeben werden.

Wenn eine radikale Entfernung des Tumors von Beginn an nicht möglich scheint, wird die Durchführung einer Chemotherapie empfohlen. Bei gutem Therapieansprechen sollte neuerlich über die Möglichkeit einer radikalen Operation entschieden werden. Wie kürzlich in Studien bestätigt wurde, sollte bei lokal begrenzten Tumoren (dh ohne Tumorabsiedelungen in andere Organe), die nicht operabel sind, eine Strahlentherapie diskutiert werden. Neben der etablierten Chemotherapie (Gemcitabine -Monotherapie oder in Kombination mit Oxaliplatin oder Capecitabine) steht nun ein neuartiges Mediakament – der Tyrosinkinasehemmer Erlotinib (Tarceva®) zur Verfügung, der die therapeutische Wirksamkeit der antitumoralen Behandlung zu verbessern vermag. In einer vor kurzem veröffentlichten Studie war die Dreierkombination Oxaliplatin+Irinotecan+5-Fluorouracil der bisherigen Standardtherapie Gemcitabine signifikant überlegen. Weitere Studien sollen nun zeigen, ob diese Therapie, die mit erheblich stärkeren Nebenwirkungen verbunden ist, als neue Standardtherapie anzusehen ist.

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