Krebs im höheren Lebensalter

Konzept der altersadäquaten Versorgung von alten Menschen mit Krebserkrankungen an der Klinik für Innere Medizin I

Die Häufigkeit von Krebserkrankungen nimmt mit fortschreitendem Lebensalter zu. Das Risiko für eine Tumorerkrankung ist im Alter 11x so hoch wie in der Jugend.
Da die Lebenserwartung in Österreich steigt, ist auch mit einer Zunahme von alten KrebspatientInnen zu rechnen. Schon jetzt werden mehr als 50% der Tumore bei Menschen nach dem 65. Lebensjahr diagnostiziert. Da die Effizient der Therapien gestiegen ist, wird es auch mehr PatientInnen in fortgeschrittenem Alter mit bösartigen Zweit- und Dritterkrankungen geben.
Da das biologische und das chronologische Alter eines Menschen sehr weit auseinander liegen können, genetische und erworbene Erkrankungen in sehr verschiedenem Ausmaß vorhanden sein können, der Lebensstil und die Behandlung etwaiger Vorerkrankungen über Jahrzehnte einwirken konnten ist die Bandbreite der Reaktionen alter Menschen auf eine Krebserkrankung und deren Behandlung größer als bei jüngeren Personen. Mit zunehmendem Alter vermindert sich die Leistungsfähigkeit der für den Stoffwechsel von Medikamente „zuständigen“ Organe, der Leber und der Nieren und die Regenerationsfähigkeit des blutbildenden Knochenmarks, der Haut und der Schleimhäute (auch jener die den Magen-Darmtrakt auskleiden) nimmt ab.
In der Vergangenheit wurden deshalb alte PatientInnen nicht in onkologische Therapiestudien aufgenommen. Diese unbefriedigende Situation kann nur durch systematische Aufarbeitung in Studien verbessert werden, die es erlauben für genau charakterisierte Gruppen von älteren PatientInnen wirksame und doch verträgliche Therapieoptionen auszuarbeiten.
Um in der komplexen Situation alter PatientInnen systematisch und strukturiert  Hilfestellungen anbieten zu können wurden von der Geriatrie die Instrumente des multidimensionalen geriatrischen Assessments entwickelt. Dieses multidimensionale Assessment erlaubt es, die vorhandenen Stärken und Schwächen eines Patienten, einer Patientin strukturiert zu beschreiben. Das erlaubt nicht nur, die Fähigkeiten einer Person zur Bewältigung des Alltags zu erfassen und gegebenenfalls zu optimieren. Mit Hilfe des Assessments kann besser abgeschätzt werden, ob eine geplante Akuttherapie toleriert werden wird und in welchen Bereichen eventuell gezielte Unterstützung notwendig sein wird.
Allerdings ist das geriatrische Assessment zeitaufwendig und erfordert geschulte MitarbeiterInnen aus verschiedenen Berufsfeldern. Daher sind internistische Onkologen, denen ein alter Mensch mit einer Krebserkrankung zur Diagnostik und Therapieplanung vorgestellt wird, in der Regel nicht in der Lage ein solches Assessment durchzuführen. Dies bedingt eine strukturierte Zusammenarbeit mit Geriatern, die in die Planung der Therapie und der Versorgung eingebunden sein sollten.
Die SIOG ( International Society of Geriatric Oncology)  und die Elderly-Taskforce der EORTC haben sich auf ein Screening Instrument geeinigt, das im Rahmen der onkologischen Begutachtung durchführbar sein sollte und sensitiv genug, um den individuellen Bedarf eines alten Menschen für ein geriatrisches Assessment aufzuzeigen, idealerweise bevor eine onkologische Therapie geplant wird

Ziel: Erstellung eines Betreuungsfahrplanes für einen alten Menschen schon vor Beginn der Tumortherapie, der alle Bereiche, wo Probleme auftreten könnten, berücksichtigt. Insbesonders müssen die physiologischen Einschränkungen von Niere und Leber bei der Dosierung der Zytostatika berücksichtigt werden (Patienten > 65 Jahre) Bei Patienten mit Komorbiditäten wie Diabetes mellitus, Hypertonie, arterielle Verschlußkrankheit, KHK ist die Dosis hepatotoxischer, kardiotoxischer und nierenschädigender Medikamente der individuellen Toleranz anzupassen
Betreuung des Patienten durch seinen Onkologen und durch eine geriatrische, geriatrisch-onkologische Ansprechperson ( ev. Krankenschwester, die sich darauf spezialisieren möchte)
Ein besonders wichtiger Punkt ist die Teilnahme an geriatrisch-onkologischen Studien.

Ansprechperson: Univ.-Prof. Dr. Christine Marosi

Präsentation: “Interdisziplinäre Betreuung von onkogeriatrischen PatientInnen und deren Angehörigen

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